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Jaggi: «Ich will mehr davon»


Die SMBC-Teams 2012/13 im Portrait - Teil 6: Team Claude Jaggi, Pilot / Thomas Guggisberg, Anschieber

Claude, viele Sportfans kennen dich vom SRF Sport. Du kommentierst hauptsächlich den Rad-, Motorrad-, Eishockey- und Bobsport. Gibt es Parallelen zwischen diesen Sportarten?

Ja die gibt es tatsächlich. Insbesondere der Motorrad- und der Bobzirkus lassen sich vergleichen. Es geht bei beiden Sportarten um Speed und Action. Der Pilot, ob auf zwei Rädern oder vier Kufen, kann ohne ein gut funktionierendes Team um sich keinen Erfolg haben. Zudem sind es zwei sympathische «Völkchen», wo jeder jeden kennt. Man reist wie ein Wanderzirkus durch die Welt und in beiden Sportarten bin ich als Einsteiger äusserst gut aufgenommen worden. Viele Leute in beiden Lagern haben mir enorm geholfen, um in der jeweiligen Sportart die nötigen Fachkenntnisse zu erlagen.
Dies trifft zu einem gewissen Grad auch auf Radsport und Eishockey zu. Nur habe ich es dort mit sehr viel mehr Leuten zu tun. Aber auch auf einer Tour de Suisse oder im Schweizer Eishockey fühle ich mich familiär aufgehoben.

An der Olympiade und der Weltmeisterschaft kommentierst Du zusammen mit dem ehemaligen Spitzen-Bobpiloten Christian Reich. Hat dich Christian mit dem Bob Virus angesteckt und was fasziniert Dich am Bobsport?

Logisch, dass «Chrigel» einen grossen Anteil daran hat. Bevor wir zum ersten Mal gemeinsam kommentiert haben, hat er mich zuerst auf eine Taxi-Fahrt durch den Olympia Bob Run mitgenommen. Schon als Kind hatte ich mir am TV Bobrennen angesehen und war fasziniert von der Kombination Athletik, Speed und Fahrkunst. Zurück zu Christian Reich: Durch ihn habe ich auch schnell viele interessante Leute kennen gelernt. So auch den damaligen SBSV-Präsidenten Peter Schmid. Er ist es dann gewesen, der mich in die Pilotenschule von Marcel Rohner in Igls eingeladen hat.  

Erzähl uns doch bitte wie Du Deine ersten Bob-Fahrversuche erlebt hast?

Da könnte ich jetzt Stunden darüber erzählen. Ich versuche es mit einer möglichst kurzen Zusammenfassung: Als ich im November 2009 mit dem Zug nach Innsbruck fuhr, wusste ich nicht recht was auf mich zukommen würde und war mega nervös. Dann hat uns aber Marcel Rohner perfekt auf die erste Fahrt vorbereitet und die Vorfreude überwog. Und doch: Wenn du am Damenstart in der Kiste hockst und keine Ahnung hast, was passiert, wenn du an diesen Seilen ziehst, ist das schon extrem. Bei mir ging alles gut, ich kam auf allen vier Kufen unten an und wusste sofort: «Ich will mehr davon!» Die Woche verlief fantastisch. Schon am dritten Tag starteten wir von oben und «Cello» war, so glaube ich zumindest, mit meinen Steuerkünsten recht zufrieden. Also ging ich ein Jahr später nochmals mit «Cello» nach Igls. Zum ersten Mal hatte ich mit Thomas meinen eigenen Bremser dabei. Er ist ein ehemaliger Handball-Kollege und ist dann auch gleich ziemlich heftig vom Bob-Virus befallen worden. Wir kamen in dieser Woche auf recht viele Fahrten und haben uns dann im Januar 2011 erstmals den Olympia Bob Run runter gewagt. Bei der ersten Fahrt (gleich von oben) habe ich etwas übertrieben quer geschliffen. Die Steigerung vom ersten bis zum vierten Lauf betrug dann über 20 Sekunden... Leider hatte ich dann im gleichen Jahr eine Diskushernie und musste fast zwei Jahre pausieren.  

Du bist seit kurzem Mitglied des St. Moritz Bobsleigh Club. Warum hast du dich für diesen Traditionsclub entschieden?

Ich wollte es nach der langen Pause nochmals mit Bobfahren versuchen. René Zwicky hatte mich zuvor schon gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit dem SMBC in die «Schweizer Woche» zu gehen und ich war sehr froh über dieses Angebot. Wegen meines Jobs bin ich auch im Winter sehr viel unterwegs. Ohne die vom SMBC organisierte Trainingswoche in Igls und die Möglichkeit beim Olympia Bob Run einen Schlitten zu mieten, wäre es für mich unmöglich gewesen weiter Bob zu fahren. Was ich dann in Igls erlebt habe, ist sensationell. Thomas und ich fühlten uns wirklich gut aufgehoben und ich kann nur sagen: ihr habt eine tolle Truppe! Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass ich in Igls eine Grippe bekam und nicht so viel wie erhofft zum Fahren kam.

Eine Frage, die sicher einige fanatische Bob-Fans interessiert: Wann werden die Weltcup-Rennen wieder auf SRF zwei ausgestrahlt? Ist dies eine Frage der TV -Rechte?

Auch in diesem Winter gibt es Übertragungen von einzelnen Weltcuprennen. Ab Königsee bis und mit der Heim-WM in St. Moritz sind wir jedes Wochenende dabei und auch von den restlichen Rennen gibt es in der Regel Kurzberichte in «sportaktuell» oder im «sportpanorama». Dass wir die Saison nicht vollständig mit Liveübertragungen abdecken können, ist nicht primär eine Frage der Rechte. Das Problem ist, dass es in der Schweiz mit der SRG praktisch nur einen Anbieter für Sportübertragungen gibt. In Deutschland beispielsweise müssen ARD/ZDF nicht das ganze Spektrum abdecken – Formel 1 ist bei RTL, Motorrad bei Sport1, usw. Bei uns ist es halt so, dass wir mit sehr bescheidenen Mitteln das ganze Spektrum abdecken müssen.

Wie hast Du Dich auf die Saison 2012/2013 vorbereitet?

Der Bobfahrer Jaggi hat die Physiotherapie intensiviert, damit der Rücken hält. Der Kommentator Jaggi hat sich wie immer über die aktuellen Vorgänge im und um den Weltcup-Zirkus  auf dem Laufenden gehalten.

Welche Bob-Bahnen hast Du bereits selber getestet?

St. Moritz und Igls als Pilot, Königssee als Taxi-Bremser von Christian Reich.

Wir vom Racing Team St. Moritz Bobsleigh Club wünschen dir und deinem Team eine erfolgreiche und unfallfreie Bobsaison 12/13.


Interview: Markus Hungerbühler

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